Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist

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Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist

Beitrag  Sasou am Mi Feb 27, 2013 12:07 am

Hallo liebe Mitglieder,

dieses Forum und Euer Erfahrungsaustausch hat mir in so manch schlafloser Stunde viel Trost gespendet. Gestern habe ich mich hier angemeldet, weil ich mir dachte, dass es gut wäre ein Teil davon zu sein, der anderen frisch getrennten Menschen zeigt, dass die Zahl der gebrochenen Herzen definitiv nicht weniger wird und man mit seinem Schmerz nicht allein dasteht. "Geteiltes Leid ist halbes Leid" und deswegen schreibe ich hier meine Geschichte:

Die aktuelle Lage
Meine Trennung von meinem Ex-Freund liegt nun 2,5 Wochen zurück. Nachdem meine Welt in 1.000 Scherben zersprungen ist, versuch ich sie Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Das klingt ganz schön kitschig, aber ich glaube, dass eine bildhafte Sprache über den Schmerz hinweghilft, weil sie die Gefühle greifbarer macht. Gerade weil man in dieser schmerzhaften Lage Halt braucht.
Ich kann Euch sagen, die ersten 250 Scherben sind die schwierigsten und irgendwie vermute ich, dass die letzten 750 jene sein werden, die am längsten dauern werden. Aber hey, kein Grund das Handtuch zu werfen. Ich denke einfach nicht an die 750, sondern versuche Teilerfolge zu feiern und nutze die Situation, indem ich so viel wie möglich dafür tue mein Selbstwertgefühl wieder aufzumöbeln. Einfach durch Bestätigung. Ich laufe viel, breche einen persönlichen Zeit- und Distanzrekord nach dem anderen, mache mich hübsch, poste das Ergebnis bei Facebook (natürlich öffentlich, damit die Handlampe checkt, dass ich toller und stärker bin als je zuvor) und kassiere einen Haufen Likes dafür. Ich widme mich wieder Dingen, die durch die Beziehung zu kurz gekommen sind oder denen ich kaum noch nachgegangen bin. Früher habe ich sie doch deswegen gemacht, weil sie mir gut taten und Freude bereiteten. Und genau dieses Gefühl brauche ich jetzt mehr als je zuvor.

Die Trennung
...war spontan und grausam. Er sagte, es tue ihm nicht sonderlich leid, da wir ja eh nicht so lange zusammen gewesen wären. Er hat gelogen. ich habe es gesehen. Aber dass er in Kauf nimmt, mir so sehr weh zu tun nur um die Situation zu seinem Vorteil zurecht zu legen, verzeihe ich ihm nicht.

Wir haben Stunden zuvor gestritten (nach vier Stunden "gründlicher Überlegung" (O-Ton!), hat er Schluss gemacht), weil ich ein Meister darin bin mich bei neuen Dingen in meinem Leben so unter Druck zu setzen, dass ich Schiss davor bekomme sie durchzuziehen und sie dann hinschmeiße. In dem Fall wollte ich ihm einen Gefallen tun, indem ich eines seiner Sportarten erlerne. Die Übungsphase bringt ein etwas gesundheitliches Risiko mit sich und so gab ich meinem Ex-Freund einen Korb. Er hinterfragte anschließend mein Vertrauen in seine didaktischen Fähigkeiten, weil er ja schließlich mein Freund sei. Als ich ihm natürlich durch meine Art und Weise das Gefühl gab, dass ich keine Lust hätte seine Leidenschaft zu teilen, anstelle mein mangelndes Selbstvertrauen ins Zentrum zu rücken, fragte er mich, ob ich bescheuert wäre und zweifelte an meinem Verstand. Ich hatte ihm schier den Tag versaut. Ich begann zu weinen und seine Vorwürfe wurden heftiger und seine Ablehnung größer. So fuhren wir nach Hause. Unsere Beziehung war entsprechend vorbelastet, weil wir in einer Zeit zusammenkamen in der wir beide bereits wussten, dass ich in ein paar Monaten jobbedingt in eine über knapp 150 km entfernte Stadt ziehen muss, um in dem gleichen Unternehmen weiterarbeiten zu können in dem wir beide tätig waren. Ich musste von Zuhause ausziehen, erfuhr nicht die Einarbeitungsphase und kollegiale Unterstützung, die notwendig gewesen wäre, um mit der kompletten Situation und dem Arbeitspensum nicht überfordert zu sein. Ich musste mit vielem klar kommen: Ohne ihn, mit der ersten eigenen Wohnung, ohne meine Eltern, ohne meine Freunde, mit einer neuen Stadt, mit einem Job, der mich viele Nerven kostete. Dementsprechend oft klagte ich auch mein Leid und es ging mir unter der Woche einfach schlecht. Er konnte das nicht verstehen, da er vor einem knappen Jahr ja selber seine Heimat aufgrund der beruflichen Chancen verlassen hatte. Dementsprechend ausgiebig musste er großkotzig referieren welche Potenziale ich wie ausschöpfen müsse, um an meiner Situation etwas zu ändern. Im Prinzip hatte er ja Recht, nur versaute er sich diesen Vorteil immer indem er mir mit seinen Ausführungen das Gefühl gab ein kompletter Vollidiot zu sein. Das Resultat: Ich war noch frustrierter. Ich wollte weder Mitleid von ihm, noch Belehrungen, ich wollte nur einen liebenvollen Umgang in dieser für mich schwierigen Situation. Liebevoll war er prinzipiell durchaus, sonst hätte ich die Beziehung beendet. Stattdessen sagte er mir, dass ich mich wie ein kleines Kind benehme, er das Gefühl hätte, er wäre nicht mein Freund, sondern mein Vater und ich anstelle alles negativ zu sehen, die Ellenbogen ausfahren soll (ich halte diesen Stil für den Anfang in einem neuen Kollegium sehr fragwürdig, da es für mich in den ersten Monaten schlichtweg gesagt um die Wurst ging und hatte ihm das auch oft gesagt, aber sein Verständnis war wie immer nicht vorhanden). Die Auseinandersetzungen waren wiederkehrend. Seinen beruflichen Erfolg und die daraus emotionale Lage konnte man jedoch auch nicht als ausnahmslos prickelnd bezeichnen. Ich jedoch stellte mich an seine Seite, hörte ihm zu als mich lieber selbst reden zu hören und sagte nie, dass er Jammern würde.

Die Beziehung
...war vollkommen. Wenn man Stadt und Job außen vor lässt. Die guten Zeiten und deren Intensität haben die Konfrontationen dermaßen überboten, dass ich glaubte unsere Beziehung wäre stark genug alles andere auszuhalten. Wir aus den Konflikten Schritt um Schritt lernen würden ihnen aus dem Weg zu gehen. Redseelig waren wir ja beide und nicht verlegen dem anderen zu sagen was er besser machen könnte, um den anderen noch glücklicher zu machen. Wir verbrachten eine tolle Zeit, hatten viele intensive Momente. Fuhren viel und spontan weg. Unsere gemeinsame Zeit war uns sehr wichtig. Nach dem Sex mussten wir sogar manchmal weinen. Er war einzigartig, nie langweilig. Ich konnte mit meinem Ex-Freund reden ohne ein Wort zu sprechen. Vor ein paar Wochen waren wir sogar noch in seiner Heimatstadt, um seine Eltern kennenzulernen. Er sagte mir, dass er noch nie erlebt habe, dass seine Eltern einen seiner Freundinnen so schnell das "Du" anngeboten hätte. Im Prinzip interessieren mich Ex-Freundinnen ziemlich wenig, aber in dem Fall fühlte ich mich natürlich in seiner Familie willkommener als sowieso schon. Er fing auch vor seinen Eltern bereits an von "einer endgültigen Sache" zu sprechen und dass er mit mir endlich das gefunden hätte was er die ganze Zeit gesucht hätte. Sein bester Freund wurde bereits mit seiner Funktion als zukünftiger Trauzeuge vertraut gemacht, ohne dass ich von meinem Ex-Freund zum gegenwärtigen Zeitpunkt je einen Heiratsantrag erhalten hätte. Was sein Ego wohl zu einer 100%-igen Abfuhr gesagt hätte? Ich war zwar tierisch verliebt und unendlich glücklich, aber nicht verblödet. So ein Antrag benötigt Gehalt. Und Gehalt kommt von Halten. Dazu braucht es bei mir an Ausdauer. Auch wenn die Vorstellung ihn zu heiraten unendlich schön gewesen ist. Er hat das Thema "Heirat" jedoch schonmal gründlichst erörtert.

Fazit
Selbstgefälliges Arschl***, was für eine Laberbacke (aber ausdauernd, fast sechs Monate hat er mir den eben niedergeschriebenen Blödsinn erzählt und das war nur ein Auschnitt). Das glaubt einem kein Mensch. Ob ich ihn zurück möchte? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob ich ihm jemals vertrauen würde, dass er so eine Aktuon nicht wieder durchzieht, auch wenn er es mir bei seinem Leben schwört. Nachdem er seinen Wohnungsschlüssel abgeholt hatte und im selben Zug Schluss machte, musste ich erstmal die ganze Wohnung unter Tränen zusammenschreien. Ich hatte einen heftigen Nervenzusammenbruch. Nachdem ich nur weinte konnte und halbwegs meine Umgebung wieder realisieren konnte, habe ich alle Dinge entsorgt und gelöscht (Bilder, Telefonnummern, Facebookfreundschaft, einfach alles), die ich mit ihm in Zusammenhang brachten. Er hat mich eiskalt aus seinem Leben geworfen, warum sollte ich es anders handhaben? Ich habe mich seither auch nicht mehr bei ihm gemeldet, weil ich keine Lust habe ihm hinterher zu rennen. Ich gönne ihm das einfach nicht. Er hatte sich vergangene Woche mal wegen eines Kleidungsstücks gemeldet, was er noch von mir hätte. Ich habe ihm nach der zweiten SMS dann höflich und reserviert geantwortet, dass ich noch nicht bereit bin ihn zu sehen, da es mir echt gut ginge und ich auch will, dass das so bleibt. Ich bin echt froh aus dieser Phase, in der man lieber sterben will als sie durchzumachen, raus bin. Das soll nicht heißen, dass es mir ausnahmslos gut geht. Ich muss sehr oft an ihn denken. Ich träume nachts von ihm, schlafe deswegen schlecht und bin vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen sehr traurig. Das ist aber okay und gehört zum Prozess. Man darf jedoch den Fokus nicht verlieren, sein Leben in die Hand zu nehmen. Dafür kämpfe ich jeden Tag. Was ich mir momentan wünsche? Das ich ihm zufällig auf der Straße begegnen kann ohne einen emotionalen Schock zu erleiden. Und ich will Genugtuung. Er soll bereuen, was er sich entgehen lassen hat. Dazu muss ich wieder eine starke Frau sein, die weiß was sie will und durchzieht was ihr gut tut. Smile Ich bin auf einem guten Weg.

Liebe Grüße
Sasou

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Re: Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist

Beitrag  Peradoro am Mi Feb 27, 2013 1:11 pm

Hi,

zu aller erst muss ich sagen, dass ich den vergleich mit den Scherben klasse finde. Auch dass du laufen gehtst und neue persönliche Rekorde aufstellst. Allerdings ohne dir etwas unterstellen zu wollen, habe ich den eindruck, dass du dir hier im Forum Mittel zum bekämpfen der Symptome gesucht hast und nicht um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Es ist gut die Energie zu nutzen und um dich zu kümmern und um die Dinge die in der Beziehung zu kurz kamen, beschäftige dich aber auch damit herauszufinden, was der Grund dafür war dass diese zu kurz kamen. Reflektiere die Beziehung. Und um in deiner Symbolik zu bleiben "Manche Scherben sind größer andere kleiner, manche passen wieder perfekt zusammen andere werden nie wieder richtig passen"

weil ich ein Meister darin bin mich bei neuen Dingen in meinem Leben so unter Druck zu setzen, dass ich Schiss davor bekomme sie durchzuziehen und sie dann hinschmeiße.
Jetzt wäre es eine gute gelegenheit auch daran zu arbeiten nutze deine Energie um dich Weiterzuentwickeln. Mach was neues und verrücktes, Risiken muss man abwägen und für sich selbst entscheiden ob man diese eingeht. Aber man sollte nicht zu extrem agieren... schließlich wägst du doch bestimmt auch nicht jedes mal das Risiko überfahren zu werden bevor du über einen Zebrastreifen läufst ab, oder?
Als beispiel ein kurzes Beispiel von mir... nachdem sich meine Partnerin von mir trennte habe ich beschlossen Fallschirmspringen zu gehen, zum einen weil ich es immer schon mal wollte, aber zum andern auch aus der selben motivation heraus wie du, ihr zu beweisen wie toll ich doch bin... Nun ja was soll ich sagen, im nachhinein war es völliger blödsinn und ich muss schmunzeln wenn ich daran denke es aus dieser motivation gemacht zu haben. ABER dennoch bin ich froh, hätte sie sich nicht getrennt, wäre ich wohl nie gesprungen. Der Fallschirmsprung war das beste das ich je in meinem Leben gemacht habe! UND es ist meine neue Leidenschaft geworden ich habe mittlerweile eine Sprunglizenz gemacht und verbringe sooft es geht in der Luft Smile.

Diese Aussagen:
mache mich hübsch, poste das Ergebnis bei Facebook (natürlich öffentlich, damit die Handlampe checkt, dass ich toller und stärker bin als je zuvor) und kassiere einen Haufen Likes dafür.

Fazit
Selbstgefälliges Arschl***, was für eine Laberbacke (aber ausdauernd, fast sechs Monate hat er mir den eben niedergeschriebenen Blödsinn erzählt und das war nur ein Auschnitt). Das glaubt einem kein Mensch. Ob ich ihn zurück möchte? Ich weiß es nicht.

Und ich will Genugtuung. Er soll bereuen, was er sich entgehen lassen hat. Dazu muss ich wieder eine starke Frau sein, die weiß was sie will und durchzieht was ihr gut tut. Smile Ich bin auf einem guten Weg.

zeigen doch sehr deutlich dass dein Selbstbewusstsein gelitten hat. Ganz normal. Die Trennung ist ja auch erst 2,5Wochen alt.
Stell dir aber die Frage "Warum will ich dass er checkt dass ich toller und stärker bin als je zuvor und er es bereuen soll", ist das nicht eher der gebrochene Stolz oder Ego? Was bringt dir das? Beweise DIR doch lieber selbst wie toll und stark du bist und du alleine glücklich sein kannst, dann merken es andere ganz automatisch (auch dein ex Wink).
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Re: Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist

Beitrag  Gast am Fr März 08, 2013 2:05 am

DU machst das schon, das mit dem facebookposten von tollen Bildern von sich selbst hab ich auch durch auch wenn es mir selbst macnhmal peinlich war im Nachhinein, die vielen Likes taten doch wahnsinnig gut. Wink Alles im Rahmen...

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